Eigene Werke, Lacrima, Texte

Prolog – Lacrima, die Feuerkriege

Prolog

Blut, Blut, Blut.
Der steinige Boden ist rot.
Weine, Mutter, weine,
denn dein Kind ist tot.
Wo ist das meine?
Auf dem Feld und das ist rot.

Du fragtest mich: „Wieso?“ Du wolltest wissen, wieso das alles geschehen musste und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Wusste nicht, wie ich dir erklären sollte, was nicht rechtens war. Wie ich all die Opfer begründen sollte, die umsonst gewesen waren.
Also schwieg ich und blickte starr auf deine Hände, in die dein Gesicht eingegraben war. Du hast nicht geweint an diesem Morgen. Hast nur da gesessen und das Gesicht vor mir verborgen. Irgendwann konnte ich dich nicht mehr ansehen. In der Ferne hörte ich bereits die schweren Schritte.
Also blickte ich auf und sah, über den Nebel hinweg, in das gleißende rote Licht der aufgehenden Sonne. Der Himmel begann sich in ein helles Blau zu hüllen und es versprach ein klarer und schöner Tag zu werden.
Mir kam in diesem Moment ein merkwürdiger Gedanke. Ich dachte mir, der Sonne, in all ihrer Schönheit und Macht, ist es egal. Sie interessiert sich nicht für das Leid, auf das sie hinab blickt. Vielleicht belächelt sie es auch. Belächelt unsere Dummheit und unser Dasein, sowie unsere Taten. Sie geht auf, egal was geschieht. Tatsächlich zweifelte auch ich in diesem Moment daran, dass alles einen Sinn hatte.
Die Kämpfe und das Leid, nur damit sich unsere Hoffnungen am Ende selbst zerstörten.
Die Schritte wurden lauter. Es mischten sich Stimmen darunter, heisere und laute Stimmen. Männer die lachten und sich über ihren Sieg freuten.
Hier mit dir zu stehen, am Ende von Allem, war wie ein bittersüßer Schmerz.
Du warst bei mir und nicht in Sicherheit. Der Konflikt unseres Lebens, du hattest ihn gewonnen. Warst mit mir in den Kampf gezogen, und nun… bekamst du dafür den Tod an meiner Seite geschenkt.
Bald würden sie uns sehen können, bald. Deine Hand griff nach meiner. Sie war eiskalt und nass vom Schweiß und Blut. Nun standest du neben mir, unsere Hände fest ineinander verschlungen.
„Ich weine nicht mehr. Ich laufe nicht mehr weg. Ich sterbe für die Zukunft, die wir uns gewünscht haben.. auch wenn es sinnlos ist.“ Deine Worte drangen wie aus weiter Ferne zu mir, ich nickte nur.

Blut, Blut, Blut.
Ephretas Brut ist unser Tod.
Er nahm uns Freiheit und Land,
die Kinder wollten beenden unsere Not.
Doch alle Hoffnung zerfiel zu Sand.
Und der Sand ist rot.

Ich konnte den Trupp nun sehen. Er war dabei. Mein Feind. Dieses Monstrum. Seine Rüstung glänzte in der aufgehenden Sonne. Sie war nicht beschmutzt. Er hatte es nicht mal für nötig gehalten, sich in den Kampf einzumischen. Wir hatten wohl von Anfang an keine Chance gehabt… Aber nun war es zu spät für Reue. Ich wollte meine letzten Minuten in Würde leben. Als der Krieger, der ich schon immer gewesen war.
Der Griff um mein Schwert wurde fester. Sie sahen uns nun, woraufhin sie stehen blieben.
Auf seinem verfluchten Gesicht zeigte sich ein breites Lächeln.
Seine schmierige Stimme erhob sich und zischte Worte des Hohns. Doch ich hörte nicht hin, hob stattdessen mein Schwert über den Kopf.
Sie waren etwa zwei Dutzend Mann, aber ich hatte nicht vor sie zu besiegen, als ich auf sie zulief. Ich hörte, dass du mir folgtest, hörte das Zischen deiner Klinge. Der Feigling schob sich hinter seine Männer.
Auch jetzt war er nicht bereit gegen mich zu kämpfen und lachte nur, was meinen Zorn nährte..

Blut, Blut, Blut.
Lord Serath, bist du froh?
Du wolltest siegen,
für unser aller Frieden.
Wir lieben dich so,
sag bist du froh?

Meine wütenden Schreie belustigten sie nur. Der Sand in den sie mich hinab drückten kratzte in Hals und Nase, aber es war mir egal.
Ich wollte, dass es würdevoll endete, wollte dass es schnell ging! Nicht so, nicht so! Ich brüllte, sie sollten dich in Ruhe lassen und dass sie feige Schweine seien. Aber es interessierte sie nicht.
Sie schlugen weiter zu und lachten, während du dich am Boden krümmtest. Scherzten, dass eine Frau nicht aufs Feld gehörte. Scherzten, wie verzweifelt ich gewesen sein muss, die mit zu nehmen. Ich weinte, flehte, drohte und brüllte, aber sie hörten nicht. Sie nahmen keine Notiz von mir.
Nur er sah mich an, ein befriedigtes Grinsen auf den Lippen. Er liebte es zu sehen, wie ich litt. Er genoss es sichtlich, seinen größten Feind noch einmal so zu quälen.
Er ging ein paar Schritte auf mich zu und beugte sich hinab. Doch meine Augen waren nur auf dich gerichtet. „Es ist deine Schuld, dass sie so leidet!“, säuselte er in mein Ohr. „Deine Schuld, dass all diese tapferen jungen Menschen nun tot sind. Du bist auch dafür verantwortlich, dass dein Volk die nächsten Jahre noch mehr leiden muss. Denn sie werden zahlen für die Verluste, die du und dein Haufen uns eingebracht haben.“
Sein Lachen hallte weit und er wandte sich wieder ab. Blickte nachdenklich zu dir herüber. Zu dir und den Männern, die auf dich einschlugen.
„Alles was du erreicht hast, Serath, ist, dass dein Volk sich sinnlose Hoffnungen macht. Du hast ihre Sehnsucht nach etwas geweckt, was sie niemals erreichen werden. Am Ende wäre es wohl besser für sie gewesen, du hättest nie versucht ihnen… zu helfen. Denn du hast alles nur noch schlimmer gemacht.“

Blut, Blut, Blut.
Nun stehst du auf dem roten Feld,
unsere Kinder sind bei dir.
Es ist das Ende der Welt,
also sag es mir,
ist es rot, das Feld?

Du hast nicht einen Ton von dir gegeben, hast nicht eine Träne vergossen. Bis zum Ende nicht. Dann lagst du irgendwann einfach nur noch da, die erstarrten Augen gen Sonne gerichtet, dein Gesicht blutig und dein Haar roter als je zuvor.
Nun stand ich ihm gegenüber. Sah ihm in die Augen, in denen so viel Freude lag.
Seine Männer hielten mich fest und er zog sein Schwert, an dem nicht ein Tropfen Blut klebte.
Noch immer rannen die Tränen mein Gesicht herunter, aber nicht aus Angst oder Trauer sondern vor Zorn.
Bald würde ich bei dir sein und bei all denen, die für mich gekämpft hatten.
Er lachte wieder. „Und von dir hat man erzählt, du wärst von den Göttern gesegnet. Lächerlich!“ Er ging langsam auf mich zu, das Schwert belustigt musternd.
Es blitzte hell in der Sonne auf, als er es schwang. Rot traf auf Rot am Boden.
Es war furchtbar kalt, obwohl die Sonne so hell schien.

Blut, Blut, Blut.
Sieh all jene die dir folgten,
sie schlafen nun für immer.
Es ist was sie wollten,
denn hier leben ist schlimmer.
Und Ephretas herrscht für immer.

Keine Schmerzen, kein Leid, keine Sorgen. Mein Geist war so klar wie noch nie. Ich sah sein Gesicht nicht, obwohl er sich über mich gebeugt hatte. Ich sah nur den blauen Himmel und die helle Sonne in weiter Ferne. Ich spürte ein Lächeln auf meinen Lippen und wusste, dass er keine Ahnung hatte. Er dachte er hätte gesiegt? Nein, denn diejenige, die ich liebte, war sicher. Sie und unser Kind. Der Tag würde kommen, an dem das Blut unserer Väter in meinem Sohn erwachte und dann würde er sich erheben und beenden, was ich begonnen hatte.
Du hattest mich gefragt warum und ich hatte es nicht beantworten können. Doch der Tod eröffnete mir die Wahrheit. Denn lieber war ich nun tot, als ihm zu dienen. Lieber starb ich meinen Göttern treu ergeben, als in dieser Welt noch einen Tag lang zu schweigen.
Alles wurde hell und eine wohlige Müdigkeit umgab mich. Als ich die Augen schloss, sah ich ihn.
Herrscher des Feuers und Schöpfer der Sonne. Der eine, dem ich ewige Treue geschworen hatte. Und sein Lächeln ließ mich alles vergessen. Meine menschliche Hülle ließ ich zurück und entschwand ins ewige Licht des Feuers, das alles umhüllte.
Es war endlich vorbei.

Blut, Blut, Blut.
Lord Serath, bist du Tod?
Der Sand ist schon lange nicht mehr rot,
Das Leben geht weiter,
und die Sonne lacht heiter.

Blut, Blut, Blut.
(Gedicht über das Ende Seraths; geschrieben im 5. Jahr der Feuerkriege, Autor unbekannt)

2 Gedanken zu „Prolog – Lacrima, die Feuerkriege“

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