Buchvorstellungen

Diese Dinge geschehen nicht einfach so!

Eine Familie mit nigerianisch-schottisch-ghanischen Wurzeln strebt in Amerika nach dem Glück des sorgenfreien und normalen Lebens.

Das ist der Ausganspunkt für das Buch, dass 2013 unter dem Titel „Ghana must Go!“ veröffentlicht wurde.

Das Buch beginnt jedoch weit nach diesem Zustand des Strebens nach Glück. Und vor allem lange nachdem der Zustand „Familie“ eigentlich verloren ist.

Der Ghaner Kweku Sai stirbt in Accra. Viele Jahre nachdem die Familie, die er mit seiner nigerianischen Frau Folasade in Amerika gründete, zerbrochen ist.

Die Autorin Taiye Selasi schafft in dem Buch eine sehr authentische und ergreifende Reise durch die Geschichte dieser Familie. Vom Aufstieg zweier Immigranten, Fola und Kweku, beide intelligent, beide vielversprechende junge Leute und beide aus Afrika nach Amerika gekommen, um zu studieren. Sie sind vor einer nicht sonderlich schönen Kindheit geflohen und gemeinsam zu einem ansehnlichen Paar aufgestiegen. Gesegnet mit vier Kindern, alle intelligent und hübsch und irgendwie besonders.

Doch das Ziel des gesicherten Glücks zerbricht und die Familie verteilt sich zunehmend. Kwekus Tod ist der Schlüssel zu einem scheinbaren Neuanfang und bringt die restlichen Mitglieder der Familie zu einer unausweichlichen Konfrontation nach Jahren der Probleme und der verschwiegenen Konflikte.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir schwer. Ich kannte tatsächlich nur den Klappentext der nicht so dramatisch klingt, wie das Buch sich mir dann offenbarte.

Die Geschichte wird in einer unsortierten Zeitfolge mit vielen Sprüngen und teils sehr komplexen Satzbauten erzählt. Aber es lohnt sich den schwerfälligen Anfang hinter sich zu lassen denn mit der Zeit wird der Aufbau klarer und am Ende setzt sich aus den Bruchstücken der Familiengeschichte eine sehr mitreißende Erzählung zusammen.
Berichtet wird aus mehreren Blickwinkeln, wodurch ein komplexes Bild der familiären Probleme wächst, in dem Schuld weniger wichtig ist als Verständnis.

Die Erzählung stellt die Frage nach Heimat und Herkunft in ein modernes sehr realistisches Licht und behandelt empfindliche Themen wie geschwisterliche Rivalität, Missbrauch, Sexualität, Essstörungen und Suizid ohne sie als Stilmittel für Dramatisierung zu missbrauchen. Es entsteht ein angenehmes Verhältnis aus realistischer Schilderung und Emotionalität.

Ich persönlich war fasziniert davon, wie lebensnah die Rollen und Konflikte der Familie sich mit der Zeit entfalten. Hin und wieder sind die Gedankensprüche, Metaphern und Formulierungen nicht gleich ganz offensichtlich, doch das machte für mich auch einen gewissen Reiz aus.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Wobei ich vermute, dass die deutsche Übersetzung dem Original ein wenig nachsteht. Vielleicht wage ich mich nochmal an die englische Version.
Ansonsten habe ich versucht möglichst wenig aus der Geschichte zu offenbaren, da die langsame Enthüllung der Geschehnisse meiner Meinung nach wichtig für das Leseerlebnis ist.

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